Der L.I.T. Vorstand im GesprĂ€ch ĂŒber vernetzte Strukturen und strategische Partnerschaften.
Der L.I.T.-Vorstand (v.l.n.r.): Simeon Breuer, Fokke Fels, Ingo Schreiber und Julian Lachnitt.
Die L.I.T. Gruppe bewegt sich 2025 in einem herausfordernden Marktumfeld. Volatile Nachfragen, Fahrermangel, aber auch neue Chancen durch Digitalisierung und internationale Expansion prĂ€gen das GeschĂ€ft. Im GesprĂ€ch erlĂ€utern die Vorstandsmitglieder Fokke Fels, Simeon Breuer, Julian Lachnitt und Ingo Schreiber, wie vernetzte Strukturen und strategische Partnerschaften das Fundament fĂŒr nachhaltiges Wachstum bilden.
Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage im Jahr 2025 stehen viele Branchen vor erheblichen Herausforderungen. Auch die Logistik spĂŒrt die Auswirkungen deutlich, sei es durch schwankende Nachfrage, steigende Kosten oder strukturelle EngpĂ€sse. Wie stellt sich vor diesem Hintergrund die aktuelle Marktsituation fĂŒr die L.I.T. Gruppe dar?
Fokke Fels: Das Jahr 2025 ist definitiv herausfordernd. Wir erleben eine extreme VolatilitĂ€t â von ruhigen Phasen zu regelrechten Nachfrage-Explosionen und wieder zurĂŒck. Konkret sehen wir ein ruhiges erstes Quartal, dann ein »wildes« zweites, wieder Ruhe im dritten und wahrscheinlich ein intensives viertes Quartal. Diese Schwankungen unterstreichen, dass wir als Gruppe vernetzt agieren und unsere verschiedenen GeschĂ€ftsbereiche intelligent orchestrieren mĂŒssen.
Simeon Breuer: Besonders spĂŒrbar war die hohe Dynamik in den kurzen Feiertagswochen im FrĂŒhling und im Sommer. In dieser Zeit sind wir an unsere KapazitĂ€tsgrenzen gestoĂen, weil am Markt kaum zusĂ€tzlicher Laderaum verfĂŒgbar war. Deshalb mĂŒssen wir antizyklisch handeln: KapazitĂ€ten frĂŒhzeitig aufbauen, um in Spitzenzeiten reagieren zu können. Die Herausforderung liegt darin, dieses Vorgehen gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll zu gestalten.
Wie begegnet die L.I.T. Gruppe diesen Herausforderungen im Bereich des Fahrer- und Fuhrparkmanagements?
Ingo Schreiber: Der Fahrermangel ist unser stĂ€ndiger Begleiter. Wir merken zudem, dass sich das Problem strukturell verschĂ€rft: In ruhigeren Phasen des Marktes verlassen viele Fahrerinnen und Fahrer die Branche und suchen dafĂŒr BeschĂ€ftigung in anderen Bereichen. Diese FachkrĂ€fte stehen dann oft auch dauerhaft nicht mehr zur VerfĂŒgung, wodurch sich der Laderaum im Markt insgesamt weiter reduziert.
Wir haben erkannt, dass die Lösung dieser Herausforderung nicht nur in höheren Löhnen liegt, sondern im Aufbau eines echten Netzwerks aus verschiedenen Anlaufpunkten und Services. Unsere Fahrerhubs an den Standorten Brake, Bremen, Wolfsburg, Kassel und Koblenz sind mehr als nur ParkplĂ€tze â sie sind Begegnungsorte mit eigenen KĂŒchen, Waschmaschinen und SchlafrĂ€umen. Diese Infrastruktur hilft nicht nur bei der Bindung unsere Fahrer, sondern auch bei der Gewinnung neuer Kollegen.

Fokke Fels setzt auf intelligente Vernetzung der GeschĂ€ftsbereiche â das HerzstĂŒck der L.I.T.-Strategie.
»Synergien entstehen erst durch das VerstÀndnis des jeweiligen GeschÀfts.«
Simeon Breuer, Vorstandsmitglied der L.I.T Gruppe

Simeon Breuer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der L.I.T. Speditions GmbH und Vorstand der L.I.T. Gruppe, sieht Wachstum vor allem durch Synergien, Internationalisierung und nachhaltige Netzwerke.
Wie funktioniert diese Vernetzung in anderen Bereichen â Stichwort Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften?
Fels: Das ist einer unserer gröĂten Erfolgsfaktoren als Unternehmensgruppe. Benötigt ein Kontraktlogistik-Kunde zusĂ€tzlich Transportleistungen, greift der entsprechende Bereich ein. Und wenn es um spezialisierte FachkrĂ€fte fĂŒr Logistikzentren geht, unterstĂŒtzt die Personallogistik. Solche Verbindungen entstehen tĂ€glich und stĂ€rken die gesamte Gruppe.
Breuer:Bei Ăbernahmen und NeugrĂŒndungen wird das besonders deutlich. Synergien entstehen erst durch das VerstĂ€ndnis des jeweiligen GeschĂ€fts. Transparenz durch Mengenstromanalysen und Prozessangleichungen sind der SchlĂŒssel. Viele Gesellschaften haben ĂŒber Jahrzehnte eigene Strukturen und Prozesse entwickelt, die fĂŒr sich genommen gut funktioniert haben, aber nicht zu unserem heutigen Anspruch an ein vernetztes L.I.T.-System passen.
Internationalisierung ist fĂŒr viele Unternehmen ein entscheidender Wachstumsfaktor. Wie gehen Sie dabei vor: Setzen Sie auf Partner oder eigene Strukturen?
Julian Lachnitt: Das hĂ€ngt vom jeweiligen Markt ab. ZunĂ€chst prĂŒfen wir, ob es verlĂ€ssliche Partner vor Ort gibt und ob das vorhandene GeschĂ€ftsvolumen auch tragfĂ€hig ist. AuĂerdem wĂ€gen wir immer ab, welche Lösung schneller und passgenauer fĂŒr den jeweiligen Fall ist.
Breuer: Unser GeschĂ€ft ist ein People Business. Wenn gerade kein geeigneter Partner vorhanden ist, brauchen wir Unternehmer vor Ort, die bereit sind, innerhalb der L.I.T. Gruppe zu arbeiten. Wichtig ist auch das bestehende Volumen: Eigene Strukturen lohnen sich vor allem dort, wo wir bereits nennenswerte MengenflĂŒsse haben und der Wechsel weg vom Agenten auch einen echten Mehrwert bringt. MĂ€rkte ohne relevante Verkehre kommen daher derzeit nicht infrage. Jede Entscheidung ist daher am Ende eine EinzelfallprĂŒfung.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Integration neuer Unternehmen in die Gruppe?
Lachnitt: Digitalisierung ist unser Netzwerk-Enabler. Wir haben bereits eine KI-Lösung implementiert, die unstrukturierte Eingangsdokumente automatisch in TransportauftrÀge umwandelt. Das klingt technisch, aber dahinter steckt die Idee, dass alle Standorte mit den gleichen, effizienten Prozessen arbeiten können.
Breuer:Im Transportbereich setzen wir zudem auf konkrete digitale Werkzeuge. Ăber NeoCargo lĂ€uft die Ladungssuche inzwischen weitgehend automatisiert. Das spart Zeit und steigert die ProduktivitĂ€t. Mit unserem neuen Data Warehouse gewinnen wir Transparenz bei Ăbernahmen, ohne die Unternehmen sofort auf ein neues TMS umstellen zu mĂŒssen. Das erleichtert die Integration und hĂ€lt uns flexibel.
Netzwerke bestehen nicht nur aus Standorten und Prozessen, sondern vor allem aus Menschen. Wie wichtig sind die Mitarbeiter als Teil des Unternehmensnetzwerks?
Fels: Die richtigen Menschen zu finden und zu vernetzen ist unsere zentrale Aufgabe. Recruiting bedeutet lĂ€ngst nicht mehr nur, neue Fahrer zu gewinnen â auch FachkrĂ€fte in anderen Bereichen wie der Disposition, der Verwaltung oder im Lager sind heute schwer zu finden. Die klassische Aus- und Weiterbildung allein reicht nicht mehr, deshalb entwickeln wir neue, kreative Konzepte. Damit schaffen wir Perspektiven, erhöhen die Bindung und decken langfristig unseren FachkrĂ€ftebedarf.
Besonders wichtig finde ich, dass Mitarbeitende mit Eigeninitiative hier genĂŒgend FreirĂ€ume haben. Wer etwas bewegen will, findet bei uns auch eine Plattform: sei es durch formelle Weiterbildung, durch neue Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Gruppe oder durch eigene Projekte. L.I.T. lebt davon, dass Menschen ihre Ideen einbringen und Verantwortung ĂŒbernehmen.

FĂŒr Julian Lachnitt, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der L.I.T. Lager & Logistik Holding GmbH und Vorstand der L.I.T. Gruppe, ist Digitalisierung ein SchlĂŒsselfaktor fĂŒr effiziente Prozesse im Unternehmen.
»Digitalisierung ist unser Netzwerk-Enabler.«
Julian Lachnitt, Vorstandsmitglied der L.I.T Gruppe

Ingo Schreiber, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der L.I.T. Cargo GmbH und Vorstand der L.I.T. Gruppe, setzt vor allem auf Fahrerbindung â mit modernen Hubs, Infrastruktur und neuen Ideen im Fuhrparkmanagement.
»Wir kombinieren verschiedene AnsÀtze und passen sie je nach GeschÀft gemeinsam mit Kunden und Partnern an.«
Ingo Schreiber, Vorstandsmitglied der L.I.T Gruppe
Nachhaltigkeit wird fĂŒr Unternehmen zunehmend zum strategischen Faktor â nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Verantwortung heraus. Welche Rolle spielt das Thema in Ihrer Netzwerk-Strategie?
Breuer: Nachhaltigkeit funktioniert nur im Verbund: Ăkologie und Ăkonomie mĂŒssen Hand in Hand gehen. Unser Ziel ist die Reduktion unseres CO2-FuĂabdrucks trotz gleichzeitigen Wachs-tums. DafĂŒr setzen wir auf ein intelligentes und intermodales Netzwerk. Wir haben es zuletzt weiter ausgebaut, etwa mit neuen Verbindungen nach Skandinavien. Lange Strecken verlagern wir bewusst auf Bahn und FĂ€hre, der Lkw ĂŒbernimmt vor allem Vor- und NachlĂ€ufe. So verbinden wir wirtschaftliche Effizienz mit ökologischer Verantwortung.
Schreiber: Erste E-Lkw sind bereits bei uns im Einsatz, zum Beispiel auf der Linie BrakeâBremen. Die Fahrer nehmen das sehr positiv an. Aber der Flaschenhals ist noch die Infrastruktur: fĂŒr regionale EinsĂ€tze sind E-Lkw ideal, im Fernverkehr fehlt die Ladebasis. Wasserstoff bleibt eine spannende Option, ist aber aktuell noch nicht breit verfĂŒgbar. Entscheidend ist: Es gibt nicht die eine Lösung. Wir kombinieren verschiedene AnsĂ€tze und passen sie je nach GeschĂ€ft gemeinsam mit Kunden und Partnern an.
Angesichts der dynamischen Marktbedingungen und der zunehmenden KomplexitĂ€t in der Logistik: Wohin entwickelt sich die L.I.T. Gruppe strategisch â und wo sehen Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren?
Breuer: Der Markt wird volatil bleiben. Aber genau deshalb sind unsere vernetzten Strukturen so wertvoll. Wachstum sehe ich vor allem in Europa, etwa in Frankreich, und international in den USA, wo wir gerade die ersten Kontraktlogistikprojekte starten. Wie bereits gesagt wurde: Logistik bleibt ein People Business. Digitalisierung und KI werden unsere Prozesse transparenter und effizienter machen, aber am Ende braucht es immer Mitarbeitende, die den Kontakt zum Kunden halten und Beziehungen pflegen. Entscheidend ist, dass unsere IT-, Prozess- und Personalstrukturen mit dem Wachstum Schritt halten können. Wir denken nicht in starren Umsatzzielen, sondern in den KapazitÀten jeder Einheit unserer Gruppe. So stellen wir sicher, dass wir flexibel bleiben und auch in einem volatilen Markt nachhaltig wachsen können.
Fels: Die Zukunft liegt in der intelligenten VerknĂŒpfung unserer Unternehmensbereiche. Wenn Personal- und Kontraktlogistik, Transport und Fuhrparkmanagement nahtlos ineinandergreifen, entstehen einzigartige Lösungen, die kein Wettbewerber so schnell kopieren kann. Und genau das ist unsere DNA: Nicht GröĂe um jeden Preis, sondern intelligente Vernetzung. Interne Netzwerke zwischen Kollegen, externe Netzwerke zu Kunden und Partnern, internationale Netzwerke fĂŒr neue MĂ€rkte â all das macht uns als Unternehmen widerstandsfĂ€higer und ermöglicht letztlich ein kontinuierliches und nachhaltiges Wachstum.
Erfahren Sie mehr ĂŒber die L.I.T. Gruppe in der aktuellen Ausgabe unseres Unternehmensmagazins »L.I.T.ERATUR«.
Dass Familienfreundlichkeit in der Unternehmenspraxis fest verankert ist, zeigte sich in den vergangenen Monaten besonders deutlich. So konnten Mitarbeitende am Standort Brake im Sommer erstmals die Ferienbetreuung der Gemeinde Ovelgönne nutzen, ein Angebot, dessen Kosten die L.I.T. Gruppe anteilig ĂŒbernommen hat. Aufgrund der positiven Resonanz wird diese UnterstĂŒtzung kĂŒnftig fortgefĂŒhrt und weiter ausgebaut.
Bereits seit 2024 ist die L.I.T. Gruppe Mitglied im Verbund familienfreundlicher Unternehmen Wesermarsch/Friesland e. V. Seit 2025 gehört das Unternehmen zudem dem bundesweiten Netzwerk »Erfolgsfaktor Familie« an. Diese Mitgliedschaften ermöglichen einen intensiven Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen und liefern wertvolle Impulse fĂŒr eine moderne und mitarbeiterorientierte Personalpolitik.
Irina Schwarz, Leiterin Personalmanagement, betont:
»Familienfreundlichkeit ist nicht nur eine soziale Verantwortung, sondern auch ein echter Erfolgsfaktor. Mitarbeitende, die Beruf und Familie gut vereinbaren können, sind motivierter, gesĂŒnder und langfristig stĂ€rker an das Unternehmen gebunden. Ich weiĂ aus eigener Erfahrung, wie entscheidend diese Balance ist und ich möchte, dass wir als Arbeitgeber dafĂŒr die passenden Rahmenbedingungen bieten.«

FĂŒr die L.I.T. Gruppe ist die Auszeichnung ein wichtiger Meilenstein. Das Unternehmen sieht sie als Ansporn, gemeinsam mit den Mitarbeitenden weitere Angebote zu entwickeln, die den Alltag erleichtern und eine nachhaltige Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Familienfreundlichkeit soll ein selbstverstĂ€ndlicher Bestandteil der Unternehmenskultur bleiben und kontinuierlich weiterwachsen.
